Zu sehen ist ein kleines Ladenlokal mit Gepäckschließfächern hinter einer Glasfront in einer ruhigen Altstadtgasse, während zwei Reisende mit Rollkoffern daran vorbeigehen (KI-Symbolbild).
Alicante

Alicante versiegelt erste Gepäckschließfächer im Zentrum.

Symbolbild, KI-generiert

AVon · 22. Oktober 2026, 11:17 Uhr

Wegen Verstößen gegen die geltende Stadtplanung greift die Stadt Alicante bei Gepäckschließfach-Lokalen in der Innenstadt durch. Die ersten Betriebe wurden geschlossen oder sollten am 22. Oktober 2026 versiegelt werden.

Die Stadt Alicante geht erstmals gegen Gepäckschließfach-Lokale im Zentrum vor. Ein Geschäft in der Calle San Telmo nahe dem Rathaus wurde am Mittwoch, 21. Oktober 2026, von der Policía Local versiegelt. Für ein weiteres in der Calle San Juan Bosco war die Versiegelung für Donnerstag, 22. Oktober 2026, angekündigt.

Hintergrund ist nicht ein Sicherheitsmangel, sondern das Planungsrecht. Nach dem geltenden Generalplan von 1987 stuft das Rathaus diese „lockers“ als industrielle Tätigkeit für Lagerung und Verteilung ein. Solche Nutzungen sind nur in Randlagen erlaubt, nicht im Stadtzentrum.

Deshalb erteilt die Stadt für diese Lokale im Zentrum keine kommunalen Lizenzen für Tätigkeit und Eröffnung. Es gibt bereits mindestens drei Schließungsanordnungen: für ein Geschäft im Umfeld des Renfe-Bahnhofs, für das versiegelte Lokal in der Calle San Telmo und für ein weiteres in der Calle San Juan Bosco.

Im Zentrum von Alicante gibt es derzeit fast 20 Gepäckschließfach-Standorte. Die meisten arbeiten selbstständig: Buchung im Internet oder Zahlung vor Ort per Karte, Zugang per Code. Die Preise beginnen ungefähr bei einem Euro pro Stunde für kleine Fächer.

Das Angebot wird unter anderem von Gästen in Ferienwohnungen und Hotels genutzt, die ihre Unterkunft oft um 11 Uhr verlassen müssen. Auch an der Adif-Station gibt es keine Gepäckaufbewahrung.

Streit um die Einstufung

Die Betreiber halten die Einordnung als Industrie für falsch. Aus ihrer Sicht handelt es sich um eine Dienstleistung des tertiären Sektors, also eher um eine gewerbliche Nutzung wie ein Laden. Sie verweisen darauf, dass dort keine Waren angenommen und später verteilt werden, sondern Schließfächer vermietet werden.

Nach Angaben der Unternehmer liegt dem städtischen Planungsdienst seit 2024 ein Vorschlag für eine Auslegung vor, die solche Betriebe unter bestimmten Voraussetzungen wie Barrierefreiheit und Toiletten eher als kommerzielle Nutzung behandeln würde. Umgesetzt ist das bisher nicht.

Die Stadt stellte im September eine spätere Änderung der Regeln in Aussicht, kündigte aber zugleich an, bis dahin die geltende Vorschrift durchzusetzen. Einige Betreiber haben Rechtsmittel gegen die Ablehnung ihrer Anträge und gegen Schließungsanordnungen eingelegt.

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