
Tajo-Segura: 85 Millionen Kubikmeter Wasser drohen zu verfallen
Symbolbild, KI-generiert
Für viele Orte an der Costa Blanca und an der Costa Cálida geht es um eine zentrale Frage der Wasserversorgung: Wenn sich die Reparatur am Tajo-Segura-Transferkanal bis Ende 2026 zieht, könnten 85 bereits genehmigte Hektometer Wasser nicht mehr geliefert werden. Das hat die Segura-Wasserbehörde CHS laut Información eingeräumt. Von der Menge sind 65 hm³ für die Bewässerung in Alicante, Murcia und Almería vorgesehen, weitere 20 hm³ für die Trinkwasserversorgung über die Mancomunidad de Canales del Taibilla.
Für Haushalte und Betriebe an der Küste ist vor allem wichtig: Die CHS rechnet trotz der Unterbrechung nach eigenen Angaben im laufenden hydrologischen Jahr 2026/2027 nicht mit einer schlechteren Versorgungssicherheit. Als Gründe nennt sie vorhandene Reserven in den Stauseen des Segura-Beckens und die Entsalzungsanlage in Torrevieja, die bereits über ihrer Nennkapazität von 80 hm³ produziert.
Schäden an zwei Stellen des Kanals
Der Aquädukt ist seit Mitte September geschlossen. Gemeldet wurden Schäden bei Liétor in der Provinz Albacete und bei Almonacid de Zorita in der Provinz Guadalajara. Laut Bericht wurden dort Schäden an der Auskleidung des Kanals, abgesackte Betonfelder und Hohlräume im Untergrund festgestellt. Die zuständige Wasserbehörde am Tajo hatte anfangs von vier bis fünf Monaten für die Reparaturen gesprochen.
Entscheidend ist nach Darstellung der CHS vor allem, wann der Abschnitt in Guadalajara wieder in Betrieb geht. Ist diese Reparatur bald abgeschlossen, könnte Wasser wieder aus dem Oberlauf des Tajo bis zum Stausee Alarcón in der Provinz Cuenca geleitet und dort zwischengespeichert werden, auch wenn die zweite Schadstelle bei Liétor noch nicht behoben ist. Erst nach der Reparatur auch dieses Abschnitts könnte das Wasser weiter in das Segura-Becken fließen.
Diese Fristen nennt die CHS
Nach den Berechnungen der CHS wäre genug Zeit, die gesamte noch ausstehende genehmigte Menge zu übertragen, wenn die Reparatur in Guadalajara bis Mitte November abgeschlossen ist. Verzögert sich die Freigabe bis Anfang Dezember, könnten nach diesen Angaben nur noch rund 60 hm³ transportiert werden. Für die vollen 85 hm³ würde dann die technische Transportkapazität nicht mehr reichen.
Wird der Schaden in Guadalajara erst 2027 behoben, wären die bereits genehmigten, aber nicht übertragenen Wassermengen nicht mehr als ausstehende Lieferungen gesichert. Sie würden dann wieder als Vorräte im Oberlauf des Tajo angerechnet. Nach der geltenden Betriebsregel des Transfers entspräche das weiter Stufe 2; in dieser Stufe sind monatlich 27 hm³ möglich. Davon gehen 25 Prozent nach Alicante für Bewässerung und städtische Versorgung.
Was das für die Küste bedeutet
Betroffen ist nicht nur die Landwirtschaft. Nach dem Bericht hängt auch ein Teil der Trinkwasserversorgung in der Provinz Alicante vom Transfer ab: ein Drittel der gesamten Versorgung von 30 Gemeinden im Zentrum und Süden der Provinz, darunter Alicante, Elche, Torrevieja, Orihuela, San Vicente del Raspeig, Santa Pola und Crevillent sowie die gesamte Vega Baja. An der Costa Cálida läuft die städtische Versorgung ebenfalls über den Taibilla-Verbund.
Die CHS verweist allerdings darauf, dass mehr als die Hälfte der derzeitigen Reserven in den Stauseen des Segura-Beckens noch aus Transferlieferungen des Wasserjahres 2025/2026 stammt. Das Becken liege weiterhin bei knapp 50 Prozent seiner Kapazität. Zudem stützt sich die Versorgung auf entsalztes Wasser aus Torrevieja.
Im Hintergrund steht eine ungewöhnlich hohe Transfermenge. Wenn auch die ausstehenden 85 hm³ noch geliefert würden, läge das Jahresvolumen laut Bericht bei mehr als 520 hm³. Das wäre fast doppelt so viel wie der langjährige Durchschnitt seit Inbetriebnahme des Aquädukts 1978. Unter normalen hydrologischen Bedingungen kann der Transfer demnach rund 320 hm³ sichern: 220 hm³ für die Bewässerung und 100 hm³ für die städtische Versorgung.


